Mehrgenerationenhaus
Januar 2, 2010 by Dagmar
Alles unter einem Dach…
Mehrgenerationenhäuser sollen Menschen in jedem Lebensalter zusammenbringen und im Alltag. Zwei der ersten Mehrgenerationenhäuser versuchen sich mit unterschiedlichem Erfolg zu etablieren.
Generationen unter einem Dach, das begeistert auch die Ministerin.
Denn die Generationen haben in Deutschland nur noch selten miteinander zu tun, und das ist ein Problem, denn alte Menschen vereinsamen oft, während die Jüngeren und vor allem auch Familien auf die Lebenserfahrung und Unterstützung der Großelterngeneration verzichten müssen. Ein Aktionsprogramm der Bundesregierung soll nun der Isolation der Generationen entgegenwirken.
Zwei der ersten sind das ZenJA in der Nähe von Frankfurt am Main und das Mehrgenerationenhaus in Halle an der Saale.
Beide Projekte haben vor einigen Wochen ihre Arbeit begonnen.
Das ZenJA arbeitet mit einem erfahrenen Team, hat eine breite Öffentlichkeitswirkung und ist bestens ausgestattet.
Das Mehrgenerationenhaus in Halle fängt dagegen mit allem ganz von vorne an.
Jetzt leben, arbeiten und spielen Kinder, Eltern und Senioren im Langener ZenJA unter einem Dach. Ein gut erdachtes Punktesystem ermöglicht gegenseitige Hilfe und Unterstützung im Haushalt und auch im Alltag. Jeder bietet seine Fähigkeiten an und bekommt dafür in anderen Bereichen Hilfe, und das kostenfrei.
Sabine Wagner ist im Langener Mehrgenerationenhaus für die Kinderbetreuung zuständig. Das neu eröffnete Tageskinderhaus ist eigentlich eine Krippe für Kinder bis drei Jahre. Das Tageskinderhaus liegt im ersten Stock des Gebäudes. Im Untergeschoss sind die Räume der Seniorenhilfe untergebracht und seitdem man in einem Haus miteinander arbeitet, finden viele ältere Menschen den Weg nach oben.
Manchmal aber ist das Miteinander der Generationen nicht ganz so einfach, wie sich alle Beteiligten das zu Anfang vorgestellt haben. Zum Beispiel, wenn die Oma nach einer Stunde merkt, dass tragen, wickeln, füttern und trösten ziemlich stressig und auch anstrengend ist.
Schwierige Bedingungen in Halle
Ganz anders läuft es in Halle an der Saale.
Hier kämpft der Projektleiter gegen die Resignation. Er hat viele Ideen für das Mehrgenerationenhaus, scheitert aber in der Durchführung täglich auf ein neues. Kaum einer kommt, der sich mit Generationen vernetzen will oder Unterstützung finden will.
Auch der Standort des Mehrgenerationenhauses ist nicht so ideal. Das Zentrum liegt im berüchtigten Glauchaviertel.
Eine hohe Arbeitslosigkeit hier, viele Familien mit Migrationshintergrund leben hier und es wird auch mit Drogen gehandelt. Die Gegend ist ein sozialer Brennpunkt.
Dass das Zentrum mal ein Jugendtreff war, bereitet vor allem auch Probleme bei der Etablierung des Hauses, denn die meisten Leute erwarten immer sich amüsierende Teenies statt generationsübergreifendes Miteinander.
Austausch statt Resignation
Was die Mitarbeiter, die wenigen Ehrenamtlichen und Besucher so deprimiert, ist von der Regierung sogar fest eingeplant, denn es kann nicht jedes Haus gleich sein und den gleichen Erfahrungsstand haben.
Schützenhilfe könnten die Hallener aus Hessen bekommen. Die Langener Strukturen waren zu Beginn der Projektphase im Konzept deckungsgleich mit den Anforderungen für ein gefördertes Mehrgenerationenhaus. Das Langener stellt seine besonderen Kompetenzen allen Häusern zur Verfügung, ist für Anfragen da und prüft Ideen und gibt auch Tipps.


