Schweinegrippe und Infektionen
Juni 30, 2009 by Dagmar
Die Schweinegrippe
Die deutsche Touristin in Thailand starb nicht an Schweinegrippe. Das war ein falscher Verdacht. Die verstorbene deutsche Urlauberin war doch nicht mit der Schweinegrippe infiziert. Das hatten die thailändischen Behörden zunächst vermutet, doch weitere Tests ergaben nun eine andere Todesursache.
Die 65-jährige Frau ist an einer Lungenentzündung gestorben, erklärte nun der thailändische Vize-Gesundheitsminister. Eine Infektion mit dem Virus A/H1N1 sei ausgeschlossen.
Die Rentnerin war am 12. Mai mit ihrem Partner und einer weiteren Person nach Thailand gereist. Wenige Tage später zeigten sich bei ihr, nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums, grippeähnliche Symptome. In der Nacht zum Dienstag verstarb sie dann auf der Fahrt in ein Krankenhaus der Hauptstadt Bangkok.
Der Test auf A/H1N1 in Thailand startet durch. Bisher sind 20 Menschen in vorsorglicher Quarantäne.
Zunächst hatten die thailändischen Behörden vermutet, dass diese Menschen mit der Schweinegrippe infiziert sind, darauf hatte ein erster Test hingewiesen. Insgesamt hat Thailand bisher zwei Fälle von Schweinegrippe gemeldet, und die beiden Erkrankten waren zuvor in Mexiko, sind inzwischen aber wieder gesund. 20 Menschen sind derzeit noch in vorsorglicher Quarantäne.
Auf internationaler Ebene wollen sich mehrere Staaten bei der Impfstoffproduktion abstimmen. Die Bundesgesundheitsministerin erklärte, dass die G7-Staaten und Mexiko sich bei einer Tagung der Weltgesundheitsorganisation am Dienstag verständigt hätten, um ihre Strategien zu koordinieren.
DAS SCHWEINEGRIPPE-VIRUS
Bei dem Erreger handelt es sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung A/H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann. Schweine gelten bei der Grippeausbreitung als besonders gefährlich, weil sich verschiedene Viren in ihnen gleich gut vermehren und auch mischen können. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Ende des Monats werde nun der sogenannte Saat-Virus erwartet. Dieser ist die Voraussetzung für die Produktion eines speziellen Impfstoffs gegen den Virus, mit der sich weltweit bisher fast 10.000 Menschen infiziert haben.
Aids
Bei dem Aids Virus soll eine neue Strategie entwickelt werden.
Die Gen-Spritze soll vor dem Aids Virus schützen.
Eine Schutzimpfung gegen diesen Virus ist seit langer Zeit der Traum von Medizinern in aller Welt. Nach zahlreichen Misserfolgen haben Wissenschaftler jetzt aber eine neue Strategie entwickelt, das HI-Virus wird nicht frontal angegriffen, sondern soll ausmanövriert werden. In Tierversuchen zeigten sich schon beeindruckende Erfolge mit dieser Strategie.
Mehr als 25 Jahre Forschungsarbeit sind bereits vergangen, doch noch immer fehlt der Menschheit die ultimative Waffe gegen das HI-Virus. Der Kampf gegen das Virus ist für die körpereigene Abwehr nicht zu gewinnen, weil dieser Erreger zu schnell mutiert. Forscher und Wissenschaftler sehnen sich darum schon lange nach einer Schutzimpfung, die den Aids-Erreger gleich nach seinem Eindringen in den Körper zur Strecke bringen soll.
Bisherige Versuche, die Immunabwehr zu einer Reaktion gegen das Virus zu ermuntern, verliefen jedoch ziemlich enttäuschend. Weder ließ sich die Infektion selbst verhindern, noch liess sich die Vermehrung des Erregers im Körper verhindern.
Forscher aus den USA hoffen nun darauf, mit einem anderen Ansatz erfolgreicher zu sein und verweisen auf erste Erfolge in Experimenten. Philip Johnson vom Children’s Hospital of Philadelphia und seine Kollegen berichten von einer Gentransfer-Technologie, an der das Team seit rund zehn Jahren arbeitet. Die Forscher haben eine Technologie entwickelt, die gegen das mit dem HI-Virus eng verwandte SI-Virus effektiv ist, welches bei Affen Aids auslöst.
Johnson und seine Kollegen stellten erst Proteine her, die den Antikörpern ähneln. Diese sogenannten Immunoadhesine waren speziell darauf ausgerichtet, das HI-Virus zu binden und es daran zu hindern, gesunde Zellen zu befallen. Anschließend fügten sie DNA ein, die diese Proteine codiert, so genannte AAV Viren. Diese sollten als Fähre das Genmaterial in die Körperzellen der Affen bringen.
Die Forscher setzten darauf, weil diese Proteine dafür bekannt sind, ohne langes Zögern ihr Genom ins Erbgut ihres Wirts zu integrieren, beim Menschen z. B. auf dem Chromosom 19. Außerdem werden diese Viren nicht mit Krankheiten in Verbindung gebracht.
Johnson und seine Kollegen spritzten die modifizierten AAV ins Muskelgewebe von neun Affen. Insgesamt kamen drei verschiedene Varianten zum Einsatz, die jeweils für die Produktion etwas anderer Proteine sorgen sollten. Und tatsächlich, im Gewebe der Affen stellte die importierte DNA wie geplant die Immunoadhesine her, die in die Blutbahn der Tiere übergingen. Ein Typus war dabei besonders erfolgreich und sorgte für dauerhaft hohe Konzentrationen der schützenden Stoffe.
Einen Monat nach der ersten Injektion wurden die Affen mit dem SI-Virus infiziert. Die Forscher berichten, dass die meisten der Tiere vor dem Erreger geschützt waren, denn in keinem Fall sei Aids ausgebrochen. In einer ungeimpften Kontrollgruppe aus sechs Affen dagegen, die ebenfalls infiziert worden waren, seien zwei Drittel der Tiere an Aids gestorben.
Mehr als ein Jahr lang haben die Forscher hohe Konzentrationen der Immunoadhesine im Blut der geimpften Affen gemessen. Sie hoffen nun, dass ihre Methode, die gezielt das Immunsystem umgeht, eines Tages zu einer Schutzimpfung gegen Aids weiterentwickelt werden kann. Doch gleichzeitig warnen sie auch vor zu viel Euphorie nach den ersten Versuchen, denn die Medikamentenentwicklung sei ein langwieriger Prozess mit vielen Hürden. So seien die Versuchstiere etwa durch intravenöse Injektionen infiziert worden. Bei einer Infektion über die Schleimhäute, wie sie bei Menschen realistisch ist, müsse das neue Verfahren seine Wirksamkeit erst noch beweisen. Auch die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus dem Tierversuch auf den Menschen ist ein recht komplizierter Punkt.


